Ich suche nicht das Drama. Ich suche die Stille.
Wasser in seiner ruhigsten Form: Meere bei Windstille,
Flüsse im ersten Licht, ein Schatten auf der Oberfläche.
Was mich dabei interessiert, ist nicht die perfekte Aufnahme –
sondern der Moment, in dem das Bild nicht stört,
sondern versteht.











Wir sehen die Flasche. Der Fluss sieht den Reifen.
2,3 Billionen Flaschen. Ein Gedankenexperiment über Wasser, Plastik und das, was wir übersehen.
Das ist eine Rechnung, keine Statistik.
Sie beginnt mit einem Menschen.
Ein Mensch kann das Wasser aus seinem Hahn nicht trinken. Also kauft er Flaschen. Drei Liter am Tag. Nicht aus Bequemlichkeit. Weil er keine andere Wahl hat.
Nach einem Jahr stehen dort 1.095 Flaschen.
Nach siebzig Jahren sind es 76.650. Knapp 2,7 Tonnen PET für einen Menschen, für ein Leben.
Weltweit haben 2,1 Milliarden Menschen kein Trinkwasser, das zugleich sicher, verlässlich und zu Hause verfügbar ist.
Sie kaufen nicht alle Flaschenwasser. Manche tragen Kanister. Manche kochen Wasser ab. Manche leben mit einer Quelle, auf die sie sich nicht verlassen können. Andere mit einer, die längst ein globaler Konzern kontrolliert.
Aber rechnen wir weiter.
Wären diese Menschen für drei Liter am Tag auf Ein-Liter-Flaschen angewiesen, entstünden 2,3 Billionen Flaschen im Jahr.
Bei 35 Gramm PET je Flasche wären das 80,5 Millionen Tonnen Kunststoff. 3,2 Milliarden Säcke Zement zu je 25 Kilo.
Nach Masse gerechnet sind das gut 400 Elbphilharmonien. Mehr als eine an jedem Tag des Jahres.
Die Zahl zeigt die Masse. Aber sie erzählt noch nicht die ganze Geschichte.
Eine PET-Flasche wird nicht automatisch zu Mikroplastik. Sie muss aus dem Kreislauf fallen, in die Umwelt gelangen und dort über Jahre in immer kleinere Partikel zerfallen.
Die Flasche ist sichtbar.
Der oft übersehene Eintrag entsteht an einer anderen Stelle: zwischen Reifen und Straße.
Reifenabrieb braucht diesen Umweg nicht. Er entsteht beim Fahren. Der nächste Regen nimmt ihn mit, über Gullys, Kanäle und Regenbecken in die Gewässer.
Nach einer IUCN-Schätzung entfällt rund ein Viertel der primären Mikroplastik-Einträge in die Ozeane auf Reifenabrieb.
Im Fluss ist der Abrieb längst verteilt. Dann wird aus einem Straßenproblem eine schwierige Reinigung.
Daran habe ich gearbeitet: Abrieb dort abzufangen, wo er noch konzentriert ist. Bevor Regen aus einem Straßenproblem ein Gewässerproblem macht.
Was der Reifen auf der Straße verliert, darf der Fluss nicht erben.
Ich liebe das Tempo der Städte, die Geräusche, das Unerwartete.
Aber genauso suche ich die leisen Ecken – dort, wo das Leben nicht kuratiert ist.
Mich interessieren nicht die perfekten Ansichten, sondern die echten Momente:
ein Blick, ein Licht, ein Ort, der nicht auffallen will.
Ich reise nicht, um zu sammeln.
Ich beobachte – und halte fest, was bleibt.












Still. Bewegend. Wasser.